Tag 22 - 21.07.2013

Herðubreið / Askja


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126 km

Wir starten bei schönem Wetter. Über die Ringstraße fahren wir bis zur Abzweigung F88. Der erste Hinweis:

Bis Askja sind es rund 100km, zurück noch einmal 100km und dann bis zur nächsten Tankstelle? Aber unser Sprit sollte reichen. Reservekanister sind auch noch voll - los geht's!

Ódáðahraun heißt Missetäterwüste. Angeblich wurden hier früher Verbrecher ausgesetzt.

Die Piste wechselt zwischen Steine und Sand (ist halt eine Wüste), aber im Großen und Ganzen ist sie erst einmal gut zu befahren. Die wenigen entgegenkommenden Fahrzeuge kündigen sich zunächst durch eine gigantische Staubwolke an.

Ein Fluss ist immer in der Nähe, aber selten zu sehen.

Wir erreichen den Tafelberg Herðubreið. Auf ihm liegen noch Schneefelder. Ganz in der Nähe befinden sich ein Campingplatz und ein Parkplatz. Wir steuern den Parkplatz an und stellen fest, dass hier durch einen kleinen Fluss eine Oase mitten in der Wüste ist.

Allerdings hüllt sich der Berg immer mehr ein und ist kaum noch zu erkennen.

Auf dem Campingplatz zeigt eine Wanderkarte die verschiedenen Routen an. Wir suchen uns eine der Touren aus, die gleich hier beginnt. Es geht kreuz und quer durch Lavafelder. An einigen Stellen stehen Hinweistafeln auf besondere Formationen und wie sie entstanden sind.

Manche Wohnmobile trifft man immer mal wieder. So treffen wir hier auf einen Deutschen, dem wir in Akureyri bereits begegnet sind. Er erklärt uns, warum der Himmel mit einem mal so diesig ist. Am Askja war heute morgen ein heftiger Sandsturm und das sind die Reste, die jetzt hierher treiben.

 

Wir fahren trotzdem in die Richtung weiter. Unterwegs mache ich eine Aufnahme aus dem Fenster nach hinten. Na, hinter uns möchte ich gerade auch nicht fahren :-)

Wir fahren durch Lavagebiet. Hier ist die Piste nicht besonders angenehm. Kurvig und mit unübersichtlichen Kuppen. Als wir dieses Stück Piste endlich hinter uns haben müssen wir zwei Mal furten. An beiden Furten stehen Schilder, wie der günstigste Weg durchs Wasser ist. Wir halten uns daran und kommen problemlos auf der anderen Seite an.

Dann endlich erreichen wir Askja, einen Vulkan. Am Fuße des Berges gibt es einen Campingplatz, auf dem wir über Nacht bleiben wollen.

Zunächst erkundige ich mich in der Rezeption nach dem Weg zur Drekagil, der Drachenschlucht. Der junge Mann erklärt, dass der Weg direkt hinter dem Haus anfängt. Wir müssten zwar durchs Wasser, aber das sei nur so hoch - er zeigt mit den Fingern ca. 2cm.

Wir finden einen Fluß, der jedoch weitaus tiefer ist, als die angegebenen 2cm. Felsen ragen in das Wasser und es gibt keinen Weg daran vorbei. Wir klettern also erst einmal auf die Felsen, sehen dahinter aber auch den Fluss.

Also gehen wir zurück und ich lasse mir noch einmal bestätigen, dass das der richtige Weg sei.

Andere suchen auch nach einem Weg, trockenen Fußes auf die andere Seite zu gelangen, brechen aber wieder ab. Reinhard geht mit gutem Beispiel voran. Er klettert über die Felsen, zieht Schuhe und Strümpfe aus und rollt seine Jeans bis über die Knie. Dann traut er sich durchs Wasser. Als er drüben ist, winkt er mich rüber. Also mache ich es ihm nach. Das Wasser geht bis fast zum Knie. Ich mach den ersten Schritt und schnappe nach Luft. Beim 2. Schritt weiß ich nicht mehr, ob es kalt ist oder ich auf glühenden Kohlen stehe- es tut einfach nur noch weh. Und wie!

Jeder kleine Felsen wird genutzt, um die Füße einen Moment aus dem Wasser zu bekommen. Das kurze Stück durchs Wasser erscheint wie eine Ewigkeit.

Auf der anderen Seite muss ich erst einmal wieder Leben in meine Füße bekommen, bevor ich weiter gehen kann.

Wir gehen den etwas mühseligen Weg bis wir erneut vor dem Hindernis Wasser stehen. Das Stück, das zu durchlaufen wäre, ist mir aber zu groß und unübersichtlich. Wir könne das Ende der Drachenschlucht bereits sehen und auch die "Drachen". Sie thronen oben auf den Felsen. :-)

Ich mag gar nicht an den Rückweg denken. Noch einmal in dieses kalte Nass. Und diesmal müssen wir vom Wasser aus auf den Felsen klettern. Es hilft ja alles Jammern nichts, da müssen wir durch!

Von hier kann man Wanderungen unternehmen. Unter anderem zu einem Kratersee. Aber in der Ferne sehen wir erneut einen Sandsturm und wollen es nicht riskieren. So unternehmen wir nur einen kleineren Spaziergang in unmittelbarer Umgebung, der aber auch seine Reize hat.

Dicht neben uns hat sich ein Geländewagen gestellt. Nanu, warum geht der denn so auf Tuchfühlung? Hier ist Platz satt. Dann sehen wir, dass er ein Dachzelt hat und unseren Wagen als Windschutz benutzt. Nun gut, kann ich verstehen.

 

Ich lerne ein junges französisches Päärchen kennen. Sie erzählen mir, dass sie zu Fuß unterwegs sind. Ich schaue sie ungläubig an. Von der Ringstraße bis hier sind es 100km! Sie haben 4 Tage gebraucht und in der Wüste im Zelt übernachtet. Respekt!